Erfahrungsbericht.

Vor der Ausbildung

Ich habe an der Ernst-Friedrich-Oberschule mein Abitur mit gut abgeschlossen. Meine Hauptfächer waren Englisch, Mathematik, Politik und Deutsch. Nebenbei habe ich unter anderem in einem Lohnsteuerhilfeverein gejobbt. Das heißt, dass ich schon einmal mit Ablage und dem Einsortieren von Lieferungen von Gesetzestexten beschäftigt war. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, Unternehmensberaterin zu werden. Dafür bin ich nach München gegangen und habe das Diplomstudium Finanz- und Wirtschaftsmathematik begonnen. Dessen Schwerpunkt liegt auf Analysis und nicht auf BWL. Um ein Semester ärmer und der Erfahrung reicher, dass ich mich für Steuern und wirtschaftliche Zusammenhänge interessiere, habe ich mich entschieden, wieder nach Berlin zu gehen und dort eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten zu machen. Das ist für jeden eine gute Kombination der sowohl theoretisch als auch praktisch arbeiten möchte. Was dann kommt ist klar: viele Bewerbungen, einige Vorstellungsgespräche und die Entscheidung für einen Ausbildungsbetrieb.

Die Entscheidung für einen Ausbildungsbetrieb

Man ist im Normalfall zweieinhalb bis drei Jahre in einer Kanzlei fest eingebunden. Ich habe meine Entscheidung an verschiedenen Kriterien festgemacht. Dabei gehört das Gehalt nicht dazu, denn das ist an den Vorgaben der Steuerberaterkammer orientiert und damit gibt es zumeist nur geringe Unterschiede. Ich habe mir die Internetseiten der in Frage kommenden Kanzleien angesehen, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Das hat auch das Schreiben der Bewerbung erleichtert, da dort ja meistens auch etwas zur Firmenphilosophie steht. Bei einigen Bewerbungsgesprächen muss man einen kleinen Einstellungstest zu den Themen Mathematik und Allgemeinbildung machen. Einige Arbeitgeber schicken einen auch in ein Assessmentcenter. Für mich war wichtig, ob mir die Lehrmaterialien bezahlt werden und ob ich Schulungen besuchen darf. Man kann auch danach fragen, ob man Urlaubs- oder Weihnachtsgeld oder vermögenswirksame Leistungen bekommt.

Das Interessante an Steuern

Man beschäftigt sich viel mit Kennzahlen, verschiedenen Unternehmen und den dahinterstehenden Menschen, daher ist ja auch das Vertrauensverhältnis zwischen Mandanten und ihrem Steuerberater so unglaublich wichtig. Man hat unter anderen mit kleinen Handwerksbetrieben, Ärzten und Lebensmitteleinzelhändlern und auch Architekten zu tun. Hin und wieder kommen Prüfer von der Rentenversicherung oder dem Finanzamt vorbei. Das kann interessant sein.

Die Zeit in der Berufsschule

Das ist sozusagen der theoretische Teil der Ausbildung. Man geht zwei Tage die Woche in die Berufsschule. Ich gehe montags und donnerstags in das Oberstufenzentrum Logistik, Touristik, Immobilien, Steuern (LOTIS). Es gibt nur wenig Fächer: Rechnungswesen, Steuerlehre, Wirtschaftslehre, Sozialkunde und eine Sprache, bei mir ist es Englisch. Man kann noch das Zusatzangebot der Schule mit Tanz- und Sprachkursen nutzen, aber dafür braucht man auch Zeit. Ich selbst habe es mit Japanisch probiert aber neben meiner Arbeit als Schülersprecherin hatte ich nicht genug Zeit um die Vokabeln regelmäßig zu üben.

Die Zeit in der Kanzlei

Das ist dann also der praktische Teil. Dementsprechend habe ich meine Ausbildung mit einem Praktikum begonnen und schon vor dem Start meine Kanzlei gut kennengelernt. Ich lerne bei der Allgemeinen Deutschen Steuerberatungsgesellschaft mbH (ADS). In meiner Kanzlei gibt es zwei Niederlassungsleiter und etwa 18 Mitarbeiter (inklusive 2 Auszubildenden – mich eingerechnet). Für mich war das auch schon bei der Bewerbung wichtig, da ich nicht in einem großen Gruppenraum sitzen wollte. Bei der ADS gibt es für die Auszubildenden ein „Azubi-Zimmer“. Ich wurde ein paar Mal auf interessante Schulungen geschickt. Schulungen werden von DATEV, Haas, GFS und FSB angeboten. Wichtig sind vor allem die Prüfungsvorbereitungen. Die helfen wirklich weiter. Ich habe nur wenig persönlichen Kontakt zu Mandanten gehabt. Hauptsächlich habe ich mit Ihnen telefoniert, was ja auch bei der Klärung von Fragen am schnellsten geht. Gegen Ende des Jahres ist wirklich die Hölle los, wenn die ganzen Einkommensteuererklärungen fertig werden müssen.

Die Zwischenprüfung

Das angenehmste an der Zwischenprüfung war für mich, dass ich in dem Semester nur eine Klausur in den Fächern Rechnungswesen, Steuerlehre und Wirtschaftslehre schreiben musste. Die zweite schriftliche Note ergibt die Zwischenprüfung. Denn man wird genau in diesen Fächern geprüft. Ich habe mich knapp einen Monat auf diese Prüfung vorbereitet und diese dann im November 2008 mit gut abgeschlossen.

Die Abschlussprüfung

Was einen da genau erwartet weiß ich noch nicht. Ich stecke im Moment in den Vorbereitungen. Das heißt ich mache ein Seminar beim FSB und lerne mit Büchern die auf das Ganze vorbereiten sollen. Es gibt einen schriftlichen Teil und einen mündlichen. Und im Vergleich zur Zwischenprüfung wird das Fach Sozialkunde zusätzlich zu einem jedoch kleinen Teil abgeprüft. Demnächst mehr!

Meine Bücherliste

  • alle Gesetze in Form von Einzelsteuergesetzen
  • Strukturierte Steuerlehre von Hengstebeck vom Merkur Verlag
  • Klausurentraining für Steuerfachangestellte zur Zwischenprüfung vom NWB Verlag
  • Klausurentraining für Steuerfachangestellte zur Abschlussprüfung vom NWB Verlag
  • Fälle- und Fragenkatalog vom NWB Verlag
  • Prüfungstraining für Mandantenorientierte Sachbearbeitung für die Mündliche Prüfung

Grundsätzlich reichen die Bücher, die als Lehrbücher empfohlen werden, aber es ist ja jedem selbst überlassen, was er zu Hause macht.

Ergebnis der Ausbildung

Am Ende der Ausbildung ist man in der Lage Einkommen- und Umsatzsteuererklärungen, Einnahme-Überschuss-Rechnungen und Bilanzen zu erstellen. Man schnuppert in die Gebiete der Finanz- und Lohnbuchhaltung und des Controlling rein und lernt mit Mandanten zu sprechen und mit dem Finanzamt zu korrespondieren, also beispielsweise Einsprüche zu schreiben.

Die Zeit nach der Ausbildung

Es gibt viele Möglichkeiten danach weiterzumachen. Man kann die Prüfung zum Steuerfachwirt anstreben. Ich habe vor zu studieren. Und diesmal Europäische Betriebswirtschaftslehre, da ich festgestellt habe, dass mich vor allem internationale Unternehmensfragen interessieren. Nach 48 Monaten Studium kann ich dann nach zwei weiteren Jahren Praxis die Prüfung zum Steuerberater absolvieren. Okay das ist weit vorgegriffen, aber man soll sich ja Ziele setzen. Es ist immer wichtig auch an sich selbst hohe Anforderungen zu stellen und dabei darauf zu achten, was einem besonders viel Spaß macht!